Was die KHL der NHL beim Format voraus hat
Während die Eishockey-Welt gebannt auf die entscheidende Phase der Saison blickt, offenbart sich ein bemerkenswerter Unterschied zwischen den beiden besten Ligen der Welt. In der Kontinentalen Hockey-Liga (KHL) hat die zweite Runde der Playoffs (Viertelfinale) der Saison 2025/26 begonnen – und sie bietet ein Spektakel, von dem NHL-Fans oft nur träumen können – den direkten Kreuzvergleich zwischen Ost- und West-Konferenz!
Während die National Hockey League (NHL) ihre Teams in den ersten beiden Playoff-Runden strikt in ihren Divisionen einsperrt, bricht die KHL diese Grenzen bereits im Viertelfinale auf.
Das KHL-Playoff-Format: Kreuzvergleich ab dem Viertelfinale
Die KHL (die 2008 gegründet wurde und als zweitstärkste Eishockey-Liga der Welt gilt) hat zur Saison 2023/24 eine revolutionäre Änderung an ihrem Playoff-Format vorgenommen, die auch in der aktuellen Saison 2025/26 Bestand hat.
In der ersten Runde (Conference Quarterfinals) spielen die Top-8-Teams jeder Konferenz (Ost und West) noch traditionell unter sich: Der 1. Platz trifft auf den 8. Platz, der 2. auf den 7. und so weiter. Doch ab der zweiten Runde (dem Viertelfinale) wird das System aufgebrochen. Die KHL führt ein Cross-Conference-Format ein, bei dem die verbleibenden Teams in zwei Pfade aufgeteilt werden:
• Pfad 1: Das 1. und 3. gesetzte Team der West-Konferenz spielen gegen das 2. und 4. gesetzte Team der Ost-Konferenz.
• Pfad 2: Das 1. und 3. gesetzte Team der Ost-Konferenz spielen gegen das 2. und 4. gesetzte Team der West-Konferenz.
Dieses System garantiert, dass Teams aus verschiedenen Konferenzen bereits früh in den Playoffs aufeinandertreffen. Alle Serien werden im Best-of-Seven-Modus ausgetragen, wobei das in der regulären Saison besser platzierte Team stets den Heimvorteil genießt.
Die aktuellen Viertelfinal-Paarungen 2025/26
Ein Blick auf die aktuellen Paarungen der zweiten Runde verdeutlicht die Attraktivität dieses Formats. Es kommt zu echten Ost-West-Krachern, die in einem traditionellen System erst im Finale möglich wären:

Diese Duelle versprechen höchste Intensität, da Teams aufeinandertreffen die sich aus der regulären Saison kaum kennen. Taktische Anpassungen und unvorhersehbare Spielverläufe sind vorprogrammiert.
Das NHL-Format: Eingesperrt in der Division
Im krassen Gegensatz dazu steht das Playoff-Format der NHL, das seit der Saison 2013/14 in Kraft ist. Die NHL qualifiziert 16 Teams, wobei die ersten drei Plätze jeder der vier Divisionen fest vergeben werden, ergänzt durch zwei Wild-Card-Teams pro Konferenz.
Der entscheidende Kritikpunkt: Die NHL zwingt ihre Teams, in der ersten und zweiten Runde strikt innerhalb ihres „Divisional Brackets“ zu spielen. Der Sieger der Division spielt gegen ein Wild-Card-Team, während der Zweit- und Drittplatzierte derselben Division direkt in Runde 1 aufeinandertreffen. Der Sieger dieser Duelle spielt dann in Runde 2 den „Divisions-Champion“ aus.
Warum die NHL an diesem System festhält
Die NHL und Commissioner Gary Bettman verteidigen dieses Format vehement. Das Hauptargument: Rivalitäten und Einschaltquoten. Durch das divisionsbasierte System treffen geografische Nachbarn und historische Rivalen (wie z.B. Toronto gegen Boston oder Edmonton gegen Calgary) häufiger und früher in den Playoffs aufeinander. Dies soll das lokale Faninteresse maximieren und die TV-Quoten in den ersten Runden in die Höhe treiben. Zudem reduziert es den „Reiseaufwand“ in den ersten Wochen der Postseason erheblich.
Die wachsende Kritik am NHL-System
Trotz der wirtschaftlichen Argumente wächst die Kritik von Fans, Experten und sogar General Managern stetig. Der Hauptvorwurf lautet mangelnde sportliche Fairness.
Das divisionsbasierte Bracket führt regelmäßig dazu, dass zwei der besten Teams der gesamten Liga bereits in der ersten oder zweiten Runde aufeinandertreffen und sich gegenseitig eliminieren, nur weil sie in derselben starken Division spielen. Gleichzeitig können Teams aus einer schwächeren Division mit einer deutlich schlechteren regulären Saisonbilanz relativ unbeschadet in die Conference Finals einziehen.
Ein prominentes Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit war die Kritik von Bill Guerin (General Manager der Minnesota Wild) der öffentlich bemängelte, dass legitime Stanley-Cup-Anwärter nicht so früh im Turnier ausscheiden sollten, nur um ein künstliches Bracket zu bedienen.
Fazit: Sportliche Fairness vs. Künstliche Rivalität
Der Vergleich zwischen der KHL und der NHL zeigt zwei völlig unterschiedliche Philosophien. Die NHL opfert ein Stück sportliche Fairness zugunsten von künstlich forcierten, divisionsinternen Rivalitäten und kurzfristigen TV-Quoten.
Die KHL hingegen belohnt mit ihrem Kreuzformat ab dem Viertelfinale die sportliche Leistung der regulären Saison deutlich besser. Indem sie die Konferenzgrenzen frühzeitig aufbricht, ermöglicht sie Duelle der echten Schwergewichte, unabhängig von ihrer geografischen Lage. Dies führt nicht nur zu einem faireren Wettbewerb, sondern auch zu einer enormen Spannung durch frische, unvorhersehbare Matchups.
Die NHL mag in puncto Vermarktung und Gesamtqualität weiterhin das Maß aller Dinge sein. Wenn es um ein faires, sportlich sinnvolles und gleichzeitig hochspannendes Playoff-Format geht, hat die KHL mit ihrer aktuellen 2. Runde eindrucksvoll bewiesen, dass sie der nordamerikanischen Profiliga einen entscheidenden Schritt voraus ist.
