Woher kommt der plötzliche Aufschwung und sind die Playoffs noch drin?

Die NHL-Saison 2025/26 biegt auf die Zielgerade ein und ein Team zieht derzeit besonders viele Blicke auf sich – die St. Louis Blues. Nach einer über weite Strecken durchwachsenen Spielzeit präsentiert sich die Mannschaft aus Missouri plötzlich in einer beeindruckenden Verfassung. Fans und Experten fragen sich gleichermaßen, woher diese plötzliche Leistungsexplosion kommt und ob das späte Aufbäumen ausreicht, um das scheinbar Unmögliche noch möglich zu machen und in die Stanley Cup Playoffs einzuziehen.

Die aktuelle Formkurve: Ein März nach Maß

Werfen wir zunächst einen Blick auf die nackten Zahlen, die den aktuellen Höhenflug der St. Louis Blues belegen. Besonders im März 2026 hat das Team eine bemerkenswerte Konstanz an den Tag gelegt. In den ersten 13 Spielen des Monats verbuchten die Blues starke neun Siege und nur vier Niederlagen. Auffällig dabei ist, dass sie in diesem Zeitraum keine einzige Overtime-Niederlage hinnehmen mussten, was auf eine neu gewonnene Abschlussstärke und Nervenstärke in engen Partien hindeutet.

Betrachtet man die jüngste Form, wird der Trend noch deutlicher. Aus den letzten fünf Spielen holten die Blues vier Siege. Darunter waren echte Ausrufezeichen gegen absolute Top-Teams der Liga. Ein dominantes 5:1 gegen die Toronto Maple Leafs und ein souveräner 3:0 Erfolg gegen die Washington Capitals beweisen, dass St. Louis derzeit mit jedem Gegner mithalten kann. Über die letzten 15 Spiele hinweg liest sich die Bilanz mit zehn Siegen und fünf Niederlagen äußerst positiv. Die Mannschaft scheint genau zum richtigen Zeitpunkt der Saison ihren Rhythmus gefunden zu haben.

Woher kommt diese Form auf einmal?

Ein derartiger Leistungssprung kommt in der NHL selten aus dem Nichts. Bei den St. Louis Blues greifen derzeit mehrere Faktoren ineinander, die den plötzlichen Erfolg erklären.

Ein entscheidender Baustein ist die taktische Handschrift von Head Coach Jim Montgomery. Montgomery, der das Team bereits in der Vorsaison übernahm und in die Playoffs führte. Er hat es geschafft sein System endgültig zu etablieren. Die Mannschaft agiert defensiv strukturierter und offensiv unberechenbarer. Besonders die Special Teams, also das Powerplay und das Penalty Killing, haben sich unter seiner Leitung stabilisiert und tragen maßgeblich zu den jüngsten Erfolgen bei.

Auf dem Eis sind es vor allem die Schlüsselspieler die vorangehen. Robert Thomas spielt eine herausragende Saison und führt das Team als Top-Scorer an. Seine Spielübersicht und Passqualität machen ihn zum Dreh- und Angelpunkt der Offensive. Flankiert wird er von verlässlichen Punktesammlern wie Pavel Buchnevich. Doch nicht nur die Routiniers überzeugen, junge Talente wie Jimmy Snuggerud und Dylan Holloway haben einen enormen Entwicklungssprung gemacht und verleihen dem Kader die nötige Tiefe und Torgefahr aus den hinteren Reihen.

Ein weiterer oft unterschätzter Faktor ist die Leistung zwischen den Pfosten. Joel Hofer hat sich in dieser Saison als verlässlicher Rückhalt etabliert und Jordan Binnington zunehmend den Rang als Nummer eins abgelaufen. Mit einer starken Fangquote und bereits sechs Shutouts in dieser Spielzeit strahlt Hofer eine Ruhe aus, die sich auf die gesamte Defensive überträgt. Ergänzt durch kluge Kaderergänzungen wie Pius Suter im Angriff und Logan Mailloux in der Verteidigung präsentiert sich das Team ausbalancierter denn je.

Schaffen sie die Playoffs? Das gnadenlose Wild-Card-Rennen

Trotz der beeindruckenden Siegesserie bleibt die Frage aller Fragen – Reicht diese Form noch für die Playoffs? Die Ausgangslage in der Western Conference ist extrem komplex und erfordert einen genauen Blick auf das konferenzübergreifende Wild-Card-System.

Da die direkten Playoff-Plätze in der Central Division (Colorado, Dallas, Minnesota) bereits außer Reichweite sind, führt der einzige Weg für die Blues über einen der beiden Wild-Card-Plätze der Western Conference. Diese Plätze gehen an die beiden punktbesten Teams aus der Central und Pacific Division, die nicht unter den Top 3 ihrer jeweiligen Division stehen.

Aktuell belegen die Utah Mammoth mit 82 Punkten den ersten Wild-Card-Platz. Den entscheidenden zweiten Platz halten derzeit die Nashville Predators mit 77 Punkten aus 73 Spielen. Direkt dahinter lauern die Los Angeles Kings aus der Pacific Division mit 76 Punkten (73 Spiele) sowie die Seattle Kraken (75 Punkte) und die Winnipeg Jets (74 Punkte).

Die St. Louis Blues stehen aktuell bei 73 Punkten aus 72 Spielen. Das bedeutet, ihnen fehlen derzeit vier Punkte auf den rettenden zweiten Wild-Card-Platz der von Nashville gehalten wird. Der kleine Vorteil der Blues ist, dass sie im Vergleich zu Nashville und den LA Kings noch ein Spiel mehr in der Hinterhand haben (10 verbleibende Spiele für St. Louis, 9 für Nashville und LA).

Dennoch ist die Aufgabe gewaltig. Die Blues müssen nicht nur ihren eigenen Lauf fortsetzen und eine extrem hohe Punktequote in den verbleibenden zehn Spielen erzielen, sondern sie sind auch zwingend auf Ausrutscher der direkten Konkurrenz angewiesen. Besonders Nashville das zuletzt ebenfalls eine starke Form zeigte (7 Siege aus 10 Spielen) und die LA Kings dürfen nicht konstant weiterpunkten wenn St. Louis noch eine Chance haben will.


Fazit: Die Hoffnung stirbt zuletzt

Die St. Louis Blues haben in den vergangenen Wochen eindrucksvoll bewiesen, welches Potenzial in dieser Mannschaft steckt. Die aktuelle Formkurve ist das Resultat harter Arbeit, taktischer Disziplin und herausragender Einzelleistungen. Auch wenn die Qualifikation für die Stanley Cup Playoffs 2026 ein schwieriges Unterfangen bleibt, ist der Rückstand von vier Punkten auf die Nashville Predators bei zehn verbleibenden Spielen mathematisch absolut aufholbar.

Selbst wenn es in dieser Saison nicht für die Postseason reichen sollte, macht die aktuelle Entwicklung Mut für die Zukunft. Die Mischung aus erfahrenen Leistungsträgern und aufstrebenden Talenten, gepaart mit einem funktionierenden System unter Jim Montgomery bildet ein starkes Fundament für die kommenden Jahre. Die Fans in St. Louis dürfen sich in jedem Fall auf einen hochspannenden Saisonendspurt freuen, in dem ihr Team im Kampf um die Wild Card bis zur letzten Sekunde alles geben wird.