Wie Steuergesetze die NHL und den Salary Cap auf den Kopf stellen

Eine Analyse, wie NHL-Teams in steuerfreien US-Bundesstaaten wie Florida, Texas und Nevada einen signifikanten Vorteil im Kampf um den Stanley Cup erlangen und wie dies den Salary Cap der Liga untergräbt.

Einleitung: Die Dominanz der Sonnenstaaten

In der Welt der National Hockey League (NHL) sind die Dallas Stars, Tampa Bay Lightning, Florida Panthers und Vegas Golden Knights nicht nur für ihr aufregendes Eishockey bekannt, sondern auch für ihren anhaltenden Erfolg. Diese Teams sind regelmäßig in den Playoffs vertreten und haben in den letzten Jahren mehrfach den begehrten Stanley Cup gewonnen. Doch was ist das Geheimnis ihres Erfolgs? Neben exzellentem Management und talentierten Spielern gibt es einen oft übersehenen, aber entscheidenden Faktor! Die Steuergesetze der US-Bundesstaaten in denen sie beheimatet sind!

Der Lockruf der Niedrigsteuer-Staaten: Mehr Netto vom Brutto

Für NHL-Spieler deren Karrieren zeitlich begrenzt und deren Gehälter hoch sind, ist das Nettoeinkommen von entscheidender Bedeutung. Genau hier kommen die Steuergesetze ins Spiel. Bundesstaaten wie Florida, Texas und Nevada erheben keine staatliche Einkommenssteuer. Das bedeutet, dass ein Spieler der für die Florida Panthers, Dallas Stars oder Vegas Golden Knights spielt, einen weitaus größeren Teil seines Gehalts behält als ein Kollege bei einem Team in einem Hochsteuerstaat wie Kalifornien (bis zu 13,3% staatliche Einkommenssteuer) oder New York (bis zu 10,9%).

Ein konkretes Beispiel verdeutlicht die Dimension dieses Vorteils. Ein Spieler mit einem Jahresgehalt von 750.000 US-Dollar bei den Dallas Stars hat eine effektive Gesamtsteuerrate von etwa 31,27%. Sein Kollege bei den Toronto Maple Leafs hingegen muss mit einer Rate von 47,61% rechnen. Das Ergebnis ist ein jährlicher Steuervorteil von über 120.000 US-Dollar für den Spieler in Texas. Es ist daher nicht verwunderlich, dass laut einer Umfrage von The Athletic 86,3% der befragten NHL-Spieler angaben, dass die staatliche Einkommenssteuer bei der Wahl ihres Teams eine wichtige Rolle spielt.

„One hundred percent, and if someone says no, I’d like to hear why. I think if someone is signing an eight-year deal, that comes into play. Always!” – Anonymer NHL-Spieler in der Umfrage von The Athletic

Der Salary Cap: Ein System unter Druck

Der NHL Salary Cap wurde eingeführt um die Wettbewerbsgleichheit zu fördern, indem er eine Obergrenze für die Gesamtausgaben eines Teams für Spielergehälter festlegt. Für die Saison 2025-26 liegt diese Obergrenze bei 95,5 Millionen US-Dollar, doch der Steuervorteil bestimmter Teams untergräbt dieses System fundamental. Ein Team in einem steuerfreien Staat kann einem Spieler bei gleichem „Cap Hit“ (dem Betrag, der gegen die Gehaltsobergrenze zählt) ein deutlich höheres Nettoeinkommen bieten. Um mitzuhalten müssen Teams in Hochsteuerstaaten einem Spieler ein höheres Bruttogehalt anbieten, was ihre Flexibilität unter dem Salary Cap stark einschränkt.

Zwar gibt es die sogenannte „Jock Tax“, die Spieler verpflichtet in jedem Bundesstaat in dem sie spielen Steuern zu zahlen, doch dies mildert den Vorteil nur geringfügig, da der Großteil des Gehalts am Hauptwohnsitz des Spielers versteuert wird.

Die sportlichen Folgen: Eine Liga der zwei Geschwindigkeiten?

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. In den letzten zehn Saisons (2015/16 bis 2024/25) gingen fünf der zehn Stanley-Cup-Titel an die vier Teams aus den genannten steuerfreien Staaten. Die Dominanz ist unübersehbar und führt zu einer wachsenden Besorgnis über eine Wettbewerbsverzerrung.

Besonders die kanadischen Teams leiden unter diesem Ungleichgewicht. Sie müssen nicht nur mit hohen provinziellen Steuern konkurrieren, sondern sehen sich seit dem neuen Collective Bargaining Agreement (CBA) von 2025 auch mit neuen Hürden konfrontiert. Eine neue Regel begrenzt den Anteil von Signing Bonuses in Verträgen auf 60%. Zuvor konnten Verträge fast vollständig aus Boni bestehen, die für ausländische Spieler in Kanada nur mit 15% besteuert wurden – ein Mechanismus um die hohe Einkommenssteuer zu umgehen. Dieses „Ventil“ ist nun teilweise geschlossen, was den Wettbewerbsnachteil für kanadische Teams weiter verschärft.

Die Debatte: Kontroverse und Lösungsansätze

Trotz der offensichtlichen Ungleichheit spielt die NHL-Führung das Problem herunter. NHL Commissioner Gary Bettman bezeichnete die Debatte als „lächerlich“ und argumentierte, dass die Teams in Florida auch erfolgreich waren, als sie noch keine Steuervorteile hatten.

Dennoch gibt es in der Liga intensive Diskussionen über mögliche Lösungen. Zu den Vorschlägen gehören:

Ein Luxussteuer-System: Teams könnten die Gehaltsobergrenze überschreiten, müssten dafür aber eine Strafzahlung leisten, die an Teams mit geringeren Ausgaben umverteilt wird.

Ein steuerbereinigter Salary Cap: Die individuelle Cap-Grenze eines Teams würde an die lokale Steuerlast angepasst, um die Kaufkraft anzugleichen.

Die Einführung solcher Systeme ist jedoch komplex. Kritiker weisen darauf hin, dass die Einkommenssteuer nur ein Teil der Gesamtsteuerlast ist und auch andere Faktoren wie Umsatz- und Grundsteuern berücksichtigt werden müssten. Zudem argumentieren einige, dass der Währungsvorteil des US-Dollars gegenüber dem kanadischen Dollar den Nachteil für kanadische Teams teilweise ausgleicht.

Fazit: Eine Frage der Fairness

Die Faktenlage ist klar! Die Steuergesetze in bestimmten US-Bundesstaaten verschaffen den dort ansässigen NHL-Teams einen erheblichen Wettbewerbsvorteil. Dieser Vorteil untergräbt die Integrität des Salary Caps und droht die Liga in eine Zwei-Klassen-Gesellschaft zu spalten. Während Spieler und Teams in Niedrigsteuer-Staaten von der Situation profitieren, kämpfen andere insbesondere die kanadischen Franchises um ihre Wettbewerbsfähigkeit.

Die NHL steht vor einer grundlegenden Entscheidung. Ignoriert sie das Problem weiterhin und riskiert eine dauerhafte Wettbewerbsverzerrung, oder findet sie eine innovative Lösung um die Chancengleichheit wiederherzustellen? Die Zukunft der Fairness in der besten Eishockeyliga der Welt hängt von der Antwort auf diese Frage ab.