Der Fight um Platz 10 und die Playdown-Mathematik
Die DEL2-Hauptrunde 2025/26 biegt auf die Zielgerade ein und im Tabellenkeller spitzt sich die Lage dramatisch zu. Der Abstiegskampf ist in diesem Jahr zweigeteilt, während eine Gruppe von vier Teams verzweifelt um den rettenden zehnten Platz kämpft, hat für den Tabellenletzten aus Kaufbeuren ein ganz anderes, taktisches Spiel begonnen – die Playdown-Mathematik.
Der Vierkampf um die direkte Rettung: Wer zittert, wer hofft?
Für die Eispiraten Crimmitschau (10. Platz, 58 Punkte), den EHC Freiburg (11. Platz, 57 Punkte), den EC Bad Nauheim (12. Platz, 54 Punkte) und die Blue Devils Weiden (13. Platz, 54 Punkte) geht es um alles. Platz 10 bedeutet die direkte Rettung ohne Zittern. Die Plätze 11 bis 14 müssen in die gefürchteten Playdowns.

Eispiraten Crimmitschau: Die Schießbude der Liga
Die Eispiraten haben die beste Ausgangsposition, befinden sich aber mit nur 5 Punkten aus den letzten 10 Spielen im freien Fall. Das Hauptproblem ist die Defensive! Mit 41 Gegentoren in den letzten 10 Spielen sind die Westsachsen die Schießbude der Liga. Die 4:7-Niederlage gegen Bietigheim und das 0:6 gegen Regensburg verdeutlichen die defensive Anfälligkeit. Die mangelnde Zuordnung in der Abwehr und die hohe Belastung für die Torhüter Kevin Reich und Christian Schneider sind alarmierend. Der Vorsprung auf die Playdown-Plätze ist auf wenige Punkte geschmolzen.
EHC Freiburg: Ein Punkt für die Moral
Die Wölfe zeigten mit dem Punktgewinn gegen Tabellenführer Krefeld Moral. Mit nur einem Punkt Rückstand auf Platz 10 hat Freiburg alles in der eigenen Hand, darf sich aber keinen Ausrutscher mehr erlauben.
EC Bad Nauheim & Blue Devils Weiden: Unruhe auf und neben dem Eis
Punktgleich auf den Plätzen 12 und 13 stehen diese beiden Teams unter massivem Druck.
• EC Bad Nauheim: Trotz der Tore von Neuzugang Ryan Olsen (Doppelpack gegen Lausitz) konnte das Team die 2:6-Niederlage nicht verhindern. Die Offensive ist schlagkräftig, doch die Defensive bleibt die Achillesferse. Mit nur 8 Punkten aus den letzten 10 Spielen ist die Formkurve besorgniserregend.
• Blue Devils Weiden: Die Verpflichtung von Trainer Alan Letang am 15. Februar sollte für neue Impulse sorgen. Nach einem Sieg im ersten Spiel folgte eine Niederlage nach Penaltyschießen. Die Unruhe in Weiden ist dennoch größer! Die drastische Erhöhung der Ticketpreise sorgte für massive Fanproteste. Nach der Insolvenz des Hauptsponsors im November 2024 und einem Finanzloch von 1,3 Millionen Euro ist die finanzielle Lage angespannt. Diese Probleme abseits des Eises könnten den Abstiegskampf zusätzlich belasten.
ESV Kaufbeuren: Jeder Punkt zählt für die Playdown-Formel
Für den ESV Kaufbeuren (14. Platz, 37 Punkte) ist der direkte Klassenerhalt rechnerisch nicht mehr möglich. Doch anstatt in Resignation zu verfallen, hat für die Joker ein neues, strategisches Spiel begonnen. Im Fokus steht nicht mehr die Tabelle, sondern der Punkterückstand auf den 13. Platz.
Warum der Abstand so entscheidend ist
Der Modus der DEL2-Playdowns ist speziell und macht jeden Punkt im Endspurt wertvoll. Die Best-of-Seven-Serie wird je nach Punktabstand zwischen den beiden Playdown-Kontrahenten angepasst:
• 0-10 Punkte Abstand: Klassische Best-of-Seven-Serie (4 Siege nötig).
• 11-20 Punkte Abstand: Das besser platzierte Team benötigt nur 3 Siege, das schlechter platzierte 4.
• >20 Punkte Abstand: Das besser platzierte Team benötigt nur 2 Siege, das schlechter platzierte 4.
Aktuell beträgt der Rückstand Kaufbeurens auf Weiden 17 Punkte. Das bedeutet in einem hypothetischen Playdown-Duell würde Weiden mit einem 1:0 in der Serie starten. Jeder Punkt den Kaufbeuren in den verbleibenden Spielen aufholt kann diese Ausgangslage verbessern.
Turnbull als strategische Waffe
Vor diesem Hintergrund ist die Verpflichtung von Routinier Travis Turnbull nicht nur ein moralischer, sondern vor allem ein strategischer Schachzug. Sein sofortiger Einfluss beim Sieg gegen Kassel zeigt, Kaufbeuren hat den Kampf angenommen. Mit 10 Punkten aus den letzten 10 Spielen zeigt die Formkurve nach oben. Es geht darum den Rückstand so weit wie möglich zu verkürzen, um sich die bestmögliche Ausgangsposition für die entscheidenden Duelle um den Klassenerhalt zu sichern.
Fazit: Zwei Kämpfe, ein Ziel
Der Endspurt in der DEL2 ist an Spannung kaum zu überbieten. Während an der Spitze um die beste Playoff-Position gekämpft wird, toben im Keller zwei unterschiedliche, aber gleichermaßen intensive Kämpfe. Der Vierkampf um Platz 10 verspricht ein Herzschlagfinale, bei dem jeder Punkt über Jubel oder Enttäuschung entscheidet. Gleichzeitig kämpft der ESV Kaufbeuren mit kühlem Kopf und strategischem Kalkül um jeden Zähler, um in den Playdowns nicht von vornherein ins Hintertreffen zu geraten. Die kommenden Spieltage werden zeigen, welche Teams ihre Ziele erreichen.
