Das kranke deutsche Eishockey-System

Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe und sorgt für hitzige Diskussionen in den Eishockey-Foren! Ryan Olsen ist ein Spieler, der in der laufenden Saison bereits bei zwei Vereinen (Düsseldorf und Hannover) aus disziplinarischen Gründen vor die Tür gesetzt wurde, findet Unterschlupf beim DEL2-Club aus Bad Nauheim. Dieser Transfer ist mehr als nur eine Randnotiz – er ist ein Armutszeugnis für die DEL2 und ein Paradebeispiel für das Söldnertum, das im deutschen Eishockey immer weiter um sich greift. Die Frage die sich viele Fans stellen ist berechtigt – Warum? Die Antwort so zynisch sie klingen mag, liegt auf der Hand und offenbart das ganze Dilemma des deutschen Eishockeys – Olsen besitzt einen deutschen Pass.

Das Alibi des deutschen Passes: Ein System am Rande des Kollaps

Der Fall Olsen ist kein Einzelfall, sondern das Symptom einer Entwicklung die dem deutschen Eishockey-Nachwuchs die Luft zum Atmen nimmt. Während junge, talentierte und kostengünstige deutsche Spieler oft nur geduldet werden und um jede Minute Eiszeit kämpfen müssen, wird der Markt mit eingedeutschten Spielern überschwemmt.

Aktuellen Zahlen zufolge besitzen bereits 191 Spieler in den ersten drei Ligen, die nicht in Deutschland ausgebildet wurden einen deutschen Pass ( Tendenz steigend!). Ein neues Einbürgerungsgesetz das den Erhalt der Staatsbürgerschaft deutlich beschleunigt, könnte allein im kommenden Sommer theoretisch weiteren 41 Spielern den deutschen Pass und damit eine deutsche Lizenz verschaffen.

Die Vereine nutzen diese Möglichkeit schamlos aus, um die Ausländerkontingente zu umgehen. Anstatt auf den eigenen, teuer ausgebildeten Nachwuchs zu setzen, verpflichtet man lieber einen mittelmäßigen Importspieler der nach ein paar Jahren den deutschen Pass erhält und somit keinen wertvollen Ausländerplatz mehr blockiert. Für junge deutsche Talente ist das ein Schlag ins Gesicht. Sie müssen sich nicht nur gegen die etablierten deutschen Spieler durchsetzen, sondern auch gegen eine stetig wachsende Zahl an eingebürgerten Profis, die ihnen den Weg in die Profi-Mannschaften versperren.

Zusätzlich wird diese Problematik durch die U23-Regel verschärft, die sich immer mehr als Alibi-Maßnahme entpuppt. Junge Spieler werden auf dem Papier in den Kader genommen, um die Quote zu erfüllen, erhalten aber kaum Eiszeit. Mit 24 Jahren fallen sie dann aus der Regelung und stehen auf der Straße, wenn sie bis dahin nicht den Durchbruch geschafft haben. Eine Regel die den Druck auf junge Spieler erhöht, anstatt sie nachhaltig zu fördern.

Fehlendes Vertrauen: Der deutsche Weg wird nicht gegangen

Das Kernproblem liegt zudem tiefer: Man getraut sich nicht, auf die eigenen Leute zu vertrauen! Das gilt für die Spieler, aber auch für die Trainer. Während in anderen Ländern wie Finnland oder Schweden junge Spieler, wie auch Trainer gefördert werden und das Vertrauen erhalten um sich zu entwickeln, setzt man in Deutschland lieber auf vermeintlich sichere, aber oft teure und mittelmäßige Importlösungen. Die Trainerbänke der DEL und DEL2 sind überfüllt mit ausländischen Coaches, während deutsche Trainer kaum eine Chance erhalten. Ein Teufelskreis, der die Entwicklung des gesamten deutschen Eishockeys hemmt.

Der Blick über den Tellerrand: Andere Länder, andere Sitten – und Deutschland schaut zu

Während man in Deutschland zusieht wie der eigene Nachwuchs verkümmert, machen es andere Länder besser. Ob das schwedische System in Deutschland 1:1 umsetzbar ist, sei dahingestellt. Letztendlich geht es darum, dass etwas passieren muss – und nichts passiert!

In Österreich gibt es in der ICEHL ein klares Quotensystem. Pro Spiel dürfen maximal zehn Legionäre eingesetzt werden, es müssen mindestens zwölf einheimische Spieler auf dem Spielbericht stehen, von denen zwei unter 24 Jahre alt sein müssen. Ein Schlupfloch für Doppelstaatsbürger wurde clever geschlossen: Als „einheimisch“ gilt nur, wer mindestens 16 Monate ununterbrochen im Land gespielt hat.

Noch einen Schritt weiter geht die KHL in Russland. Dort gibt es ein ausgeklügeltes Belohnungssystem für den Einsatz junger Spieler. Vereine die Nachwuchstalente einsetzen werden finanziell belohnt. Top-Trainer die Spieler für die KHL entwickeln, erhalten Prämien von bis zu einer Million Rubel. Die 50 führenden Akademien bekommen zusätzliche Unterstützung. Mit der „Designated Junior“-Regel können Teams zudem zwei zusätzliche Juniorenspieler in den Kader aufnehmen, um ihnen frühzeitig Profierfahrung zu ermöglichen. Ein System das den Einsatz junger Spieler aktiv fördert, anstatt ihn nur zu fordern.

Die Farce um die DEL-Importregelung

Was passiert in Deutschland? Während die deutschen Eishockeyligen von eingedeutschten Spielern geflutet werden, überlegt man z.B. in der DEL ernsthaft die Anzahl der Importlizenzen von neun auf acht zu reduzieren. Eine Debatte die an Zynismus kaum zu überbieten ist, wenn man bedenkt, dass durch die Einbürgerungswelle die Zahl der „gefühlten“ Ausländer ohnehin stetig steigt. Es ist eine Alibi-Diskussion, die vom eigentlichen Problem ablenkt und die „Bosse“ im deutschen Eishockey als handlungsunfähig entlarvt.

Fazit: Kein Land verrät seinen Nachwuchs so wie Deutschland

Die Verpflichtung eines Söldners wie der eingedeutschte Ryan Olsen (der disziplinarisch gescheitert ist), ist der traurige Höhepunkt einer verfehlten Nachwuchspolitik. Es ist an der Zeit, dass die Verantwortlichen in den Ligen und im Verband aufwachen. Anstatt über kosmetische Änderungen an der Importregelung zu debattieren, braucht es radikale und mutige Schritte nach dem Vorbild anderer Länder. Ein klares Bekenntnis zum eigenen Nachwuchs, ein faires Quotensystem das den Namen auch verdient und echte Anreize für die Vereine schafft, junge deutsche Spieler einzusetzen! Sonst wird der deutsche Eishockey-Nachwuchs weiter auf der Strecke bleiben – vergessen und verraten von einem System, das sich selbst im Weg steht.