Nur 2 Siege aus 10 Spielen – Wie es zur Krise kam

Beim EV Landshut ist die anfängliche Euphorie der Saison einer tiefen Ernüchterung gewichen. Mit nur zwei Siegen aus den letzten zehn Spielen und einem besorgniserregenden Torverhältnis von 28:47 steckt der DEL2-Club in einer ernsthaften Krise. Die Mannschaft belegt in der Formtabelle der letzten 10 Spiele den letzten Platz und die Fragen mehren sich: Wie konnte es so schnell bergab gehen? Welche Rolle spielt Trainer Uwe Krupp dabei?

Die Talfahrt in Zahlen: Ein Weckruf

Die Ergebnisse der letzten Wochen sind alarmierend. Acht Niederlagen in zehn Partien, darunter deutliche Pleiten wie das 1:5 gegen Aufsteiger Bietigheim oder das 4:7 gegen die Düsseldorfer EG zeigen ein Team, das die Kontrolle verloren hat. Die eigentliche Sorge liegt im Torverhältnis – 28 erzielte Tore gegen 47 Gegentore – eine Differenz von 19 Toren.

Defensive Instabilität und taktische Herausforderungen

Die Hauptursache für die Krise liegt in der defensiven Stabilität. Mit 47 Gegentoren in nur zehn Spielen – durchschnittlich 4,7 Gegentore pro Spiel – ist die Abwehr ein zentrales Problem. Taktische Abstimmungsprobleme, eine erhöhte Anfälligkeit für Konter und Positionierungsfehler prägen das aktuelle Spiel des EVL.

Selbst die starke Offensive die zu den besten der Liga zählt, kann diese Lücken nicht kompensieren. Die Mannschaft wirkt verunsichert und scheint mit dem hohen Erwartungsdruck nicht zurechtzukommen. Trainer Uwe Krupp gestand bereits ein: „Wir sind angeschlagen.“Das ist eine ehrliche Einschätzung einer schwierigen Situation.

Vom Traumstart zur aktuellen Realität

Der Kontrast zum Saisonbeginn ist deutlich. Mit der Verpflichtung von Uwe Krupp, dem ersten deutschen Stanley-Cup-Sieger und ehemaligen Bundestrainer startete der EV Landshut mit großer Hoffnung in die Saison. Starke Leistungen und ein Platz in der Spitzengruppe schürten die Erwartungen auf eine erfolgreiche Spielzeit. Diese Form konnte jedoch nicht gehalten werden. Das Team ist auf den 7. Tabellenplatz abgerutscht und muss um die direkte Playoff-Qualifikation (Platz 1-6) bangen.

Der Trainer im Fokus: Uwe Krupps Stärken und Herausforderungen

Die aktuelle Situation beim EV Landshut führt zu einer wichtigen Diskussion über Krupps Trainerprofil. Er ist zweifellos eine respektierte Persönlichkeit im deutschen Eishockey mit großer Ausstrahlung und Führungskompetenz. Die Frage lautet dennoch: Wie passen seine Stärken zu den aktuellen Anforderungen?

Die Schweiz-Episode: HC Lugano 2025 – Lehren für Landshut

Uwe Krupps Engagement in der Schweizer National League bietet wichtige Anhaltspunkte. Am 14. Januar 2025 übernahm er den HC Lugano als Interimstrainer, um den drohenden Abstieg zu verhindern. In seiner rund zweieinhalb Monaten dauernden Amtszeit stabilisierte er die Mannschaft, sodass der Klassenerhalt in den Playouts gesichert werden konnte. Das war eine Leistung, die seine Stärken als Motivator und Krisenmanager zeigte.

Allerdings – Eine grundlegende Verbesserung der Spielweise blieb aus. Die gleichen Probleme, die unter seinem Vorgänger Luca Gianinazzi bestanden, bestanden auch unter Krupp weiter. Sein Vertrag wurde zum Saisonende nicht verlängert.

Das Expertenurteil: Motivator mit taktischen Grenzen

Während seiner Zeit in Lugano äußerten sich Schweizer Experten differenziert über Krupps Coaching-Ansatz. Sie erkannten seine Stärken an, deuteten aber auch auf Grenzen hin.

„Im taktischen Bereich soll Krupp nicht zu den Besten und Modernsten des Fachs zählen, weshalb er kompetente Assistenten braucht.“

Diese Einschätzung der Schweizer Zeitung „Blick“ ist nicht als Verdammungsurteil zu verstehen, sondern als Beschreibung eines spezifischen Coaching-Profils. Der renommierte Schweizer Eishockey-Journalist Klaus Zaugg analysierte, dass Lugano unter Krupp ein „gefälliges, weiches Lauf- und Tempohockey“ spielte, das die Zweikampfscheu und taktischen Undiszipliniertheiten nicht vollständig beheben konnte. Das deutet darauf hin, dass Krupps Ansatz – Fokus auf Grundlagen und Motivation – in manchen Situationen nicht ausreicht.

Die Frage nach der Assistenztrainer-Struktur

Die wiederholte Erwähnung, dass Krupp kompetente Assistenten braucht ist nicht ungewöhnlich im modernen Eishockey. Viele erfolgreiche Trainer arbeiten mit spezialisierten Co-Trainern zusammen – einer für Offensive, einer für Defensive, einer für Spezialteams. Die Frage für Landshut ist: Ist das Co-Trainer-Team stark genug, um die taktischen Anforderungen zu erfüllen?

Die 47 Gegentore in zehn Spielen deuten darauf hin, dass hier möglicherweise Verbesserungen nötig sind. Ob das ein Trainerstab-Problem, ein Spielerproblem oder eine Kombination ist, lässt sich von außen schwer beurteilen.

Parallelen zur Zeit in Köln – aber kein Grund zur Verzweiflung

Während seiner Zeit bei den Kölner Haien in der DEL gab es ähnliche Diskussionen. Nach dem Ausscheiden in den Pre-Playoffs 2024 wurde ihm mangelnde taktische Flexibilität vorgeworfen. Das Team wurde als „zahnlos“ beschrieben und Spieler beklagten wiederkehrende Einbrüche nach Gegentoren.

„Wir spielen ein gutes Spiel in Ingolstadt, kommen hierher, kassieren ein Gegentor und es passiert die gleiche Kacke wieder.“
– Justin Schütz, damaliger Spieler der Kölner Haie

Dieses Zitat zeigt ein echtes Problem, nämlich die fehlende mentale und taktische Stabilität nach Rückschlägen. Es ist ein Muster, das sich auch in Landshut abzeichnet. Das heißt aber nicht, dass Krupp „komplett falsch“ ist – es bedeutet, dass sein Coaching-Ansatz in bestimmten Situationen an Grenzen stößt und Unterstützung braucht.

Was sind Krupps Stärken – und wo liegen die Herausforderungen?

Krupps Erfolge als Bundestrainer basierten auf einem klaren, defensiv orientierten System und der Fähigkeit, eine Mannschaft emotional zu erreichen. Bei der Heim-WM 2010 führte er Deutschland zu einem respektablen 4. Platz – das war eine Leistung, die seine Kompetenz als Motivator und Stratege zeigte.

Im schnelllebigen Ligaalltag scheint sein Ansatz jedoch manchmal zu wenig Flexibilität zu bieten. Seine Stärke liegt in der übergeordneten Führung und der Motivation eines Teams. Die detaillierte taktische Arbeit – Defensive Systeme, Spielzuganpassungen, Spezialteams – erfordert in dem Fall spezialisierte Co-Trainer. Das ist nicht ungewöhnlich, aber es bedeutet, dass das gesamte Trainerteam funktionieren muss.

Ausblick: Kann die Wende gelingen?

Die kommenden Spiele sind entscheidend. Der EV Landshut muss seine defensive Stabilität wiederfinden und die Positionierungsfehler minimieren. Die Qualität im Kader ist unbestritten – es geht jetzt darum, diese Qualität auf dem Eis umzusetzen.

Uwe Krupp hat bewiesen, dass er in Krisensituationen stabilisieren kann (siehe Lugano). Die Frage ist ob er und sein Trainerstab die taktischen Anpassungen vornehmen können, die notwendig sind um die defensive Instabilität zu beheben. Das ist eine Herausforderung, aber nicht unmöglich.

Die Gegentore sind ein Fakt, die Zitate sind real und die Probleme sind offensichtlich. Krupp hat dennoch Qualitäten, die wertvoll sind. Es geht jetzt darum, beides zusammenzubringen – seine Motivationskraft mit einer verbesserten taktischen Struktur.