Fünf Siege trotz Verletzungschaos
Die Bietigheim Steelers schreiben derzeit eines der beeindruckendsten Comeback-Märchen in der DEL2-Saison 2025/26. Mit fünf Siegen in Folge hat sich das Team aus dem Ellental von einem Abstiegskandidaten zu einem ernstzunehmenden Playoff-Anwärter entwickelt. Das Besondere an dieser Erfolgsserie: Sie gelang trotz massiver Verletzungsprobleme bei den Top-Spielern. Dies ist das wahre Zeichen einer großen Mannschaft.
Der schwere Start: Vom Aufsteiger zum Schlusslicht
Nach dem Wiederaufstieg aus der Oberliga war das erklärte Saisonziel der Bietigheim Steelers der Klassenerhalt. Mit zehn Neuzugängen und einem runderneuerten Kader startete das Team holprig in die Saison. Nach den ersten acht Spielen fanden sich die Steelers mit nur einem Sieg nach Penaltyschießen und sieben Niederlagen am Tabellenende wieder. Die anfängliche Euphorie wich der Sorge, dass der direkte Wiederabstieg drohen könnte.
Trotz der schwachen Bilanz waren die Leistungen auf dem Eis oft besser als die Ergebnisse vermuten ließen. Die Mannschaft erarbeitete sich mehr Spielanteile und Torschüsse konnte dies aber zunächst nicht in zählbare Erfolge ummünzen. Es schien nur eine Frage der Zeit bis der Knoten platzen würde. Die Integration der neuen Spieler brauchte ihre Zeit und das Trainerteam musste das richtige System finden.
Die Wende: Mit Eishockeykompetenz an der Bande
Die sportliche Wende ist eng mit den Namen Alexander Dück und Boris Blank verbunden. Im Januar 2024 übernahm der ehemalige DEL-Profi und U18-Bundestrainer Alexander Dück das Amt des Cheftrainers. Der 1980 in Karaganda geborene Deutsch-Kasache bringt eine beeindruckende Karriere mit sich: 729 DEL-Spiele, 150 DEL2-Spiele und die Erfahrung als Co-Trainer der Herren-Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft 2021. Ihm zur Seite steht mit Boris Blank ein ebenfalls erfahrener Co-Trainer, der gemeinsam mit Dück das neue Spielsystem implementierte.
Unter ihrer Führung stabilisierte sich die Mannschaft und begann ihr Potenzial abzurufen. Die beiden Trainer brachten die nötige Autorität und Eishockeykompetenz hinter die Bande, die es brauchte um die junge und neu zusammengesetzte Mannschaft zu formen. Die harte Arbeit trug Früchte und die Steelers starteten ab Mitte Oktober eine beeindruckende Aufholjagd.
Die Lebensversicherungen: Dugan, Kemp und Fonstad
Drei Spieler sind die absoluten Leistungsträger bzw. „Lebensversicherungen“ der Bietigheim Steelers: Jack Dugan, Brett Kemp und Cole Fonstad. Alle drei sind Import-Spieler mit internationaler Erfahrung und bringen die nötige Qualität mit sich um Spiele zu entscheiden.
Jack Dugan ist mit 49 Punkten (20 Tore, 29 Assists) in 37 Spielen der Top-Scorer des Teams. Mit einer Quote von 1,32 Punkten pro Spiel ist der US-Amerikaner ein absoluter Führungsspieler in der Offensive. Seine Fähigkeit, Spiele zu prägen und Mitspieler einzusetzen macht ihn zur Schlüsselfigur des Teams.
Brett Kemp der im Mai 2025 von den Vienna Capitals kam, ist mit 39 Punkten (17 Tore, 22 Assists) in 36 Spielen der zweitbeste Scorer. Mit einer Quote von 1,08 Punkten pro Spiel zeigt der Kanadier konstante Leistung. Besonders bemerkenswert war sein Hattrick gegen die Eispiraten Crimmitschau am 16. Januar 2026, der die Steelers zu einem 6:4-Sieg führte.
Cole Fonstad kam erst im Oktober 2025 von Södertälje SK in die DEL2 und hat sich schnell als Leistungsträger etabliert. In nur 24 Spielen erzielte er 28 Punkte (12 Tore, 16 Assists) und weist damit die zweitbeste Quote im Team auf – 1,17 Punkte pro Spiel. Dieser Wert unterstreicht die Qualität des jungen Kanadiers.
Das Verletzungschaos: Kein Grund nicht zu gewinnen
Hier zeigt sich die wahre Stärke der Bietigheim Steelers: Trotz massiver Verletzungsprobleme bei ihren Top-Spielern gelang es dem Team, seine aktuelle Siegesserie zu fahren. Laut dem Verletzungsupdate vom 21. Januar 2026 fallen folgende Spieler aus: Benjamin Zientek, Filip Reisnecker, Cole Fonstad, Alex Dostie, Maximilian Söll und Brett Kemp. Das bedeutet, dass zwei der drei Lebensversicherungen (Kemp und Fonstad) verletzt sind, ebenso wie weitere wichtige Spieler wie zum Beispiel der erfahrene Defensivmann Söll.
Dass die Steelers unter diesen Bedingungen nicht nur konkurrenzfähig bleiben, sondern sogar eine Siegesserie von fünf Spielen hinlegen ist beeindruckend. Dies spricht für die Tiefe des Kaders und die exzellente Arbeit des Trainerteams unter Alexander Dück und Boris Blank. Die Mannschaft hat gelernt sich nicht auf einzelne Spieler zu verlassen, sondern als geschlossene Einheit zu funktionieren.
Die aktuelle Lage: Fünf Siege in Folge und Platz 4
Die jüngste Erfolgsserie katapultierte die Bietigheim Steelers auf den vierten Tabellenplatz der DEL2. Mit 61 Punkten nach 38 Spielen haben die Steelers bereits ihre Saisonziele weit übertroffen und sind nun ein ernstzunehmender Playoff-Anwärter. Das Torverhältnis von 128:116 zeigt eine ausgewogene Mannschaft, die sowohl offensiv als auch defensiv stabil ist.
Die letzten fünf Spiele dokumentieren die aktuelle Stärke des Teams: Am 23. Januar 2026 gelang ein 5:4-Sieg nach Verlängerung gegen die Kassel Huskies, den Tabellenzweiten – ein Sieg der zeigt, dass die Steelers auch gegen Top-Teams bestehen können. Zuvor gab es einen 5:1-Heimsieg gegen EV Landshut, einen 3:1-Erfolg gegen Blue Devils Weiden, den bereits erwähnten 6:4-Sieg gegen Crimmitschau und einen 2:1-Sieg nach Verlängerung gegen EC Bad Nauheim. Diese Serie zeigt eine Mannschaft, die auch unter Druck liefert und in kritischen Momenten zur Stelle ist.
Fazit: Tiefe statt Stars
Die Bietigheim Steelers haben die Erwartungen in dieser Saison bereits weit übertroffen. Statt gegen den Abstieg zu kämpfen, hat sich das Team in der Spitzengruppe der DEL2 etabliert. Die Mischung aus erfahrenen Trainern wie Alexander Dück und Boris Blank, hochkarätigen Import-Spielern wie Dugan, Kemp und Fonstad sowie einer geschlossenen Mannschaftsleistung hat sich als Erfolgsrezept erwiesen.
Das Besondere an der aktuellen Erfolgsserie ist, dass sie trotz Verletzungen gelang. Dies zeigt, dass die Steelers nicht von einzelnen Spielern abhängig sind, sondern über die nötige Breite im Kader verfügen. Der Weg vom Schlusslicht (Platz 14) nach acht Spielen auf Platz 4 nach 38 Spielen ist eine beeindruckende Aufholjagd. Wenn die verletzten Leistungsträger zurückkehren, wird das Team noch stärker werden. Das Märchen vom Comeback ist noch nicht zu Ende geschrieben und die kommenden Wochen werden zeigen, ob die Steelers ihren Aufwärtstrend bis in die Endrunde halten können.
