Kommt nach der ECHL-Dominanz der Sprung nach Europa?

Der amtierende ECHL-Topscorer Brandon Hawkins von den Toledo Walleye sorgt nicht nur auf dem Eis für Furore, sondern auch in den Gerüchteküchen. Nach einer weiteren beeindruckenden Leistung beim ECHL All-Star Game 2026, die von spektakulären Toren und Vorlagen gekrönt war stellt sich nur eine Frage! Wann wagt der 31-jährige Stürmer den längst überfälligen Schritt nach Europa?

Ein Star in der ECHL

Brandon Hawkins hat sich in den letzten Jahren als einer der dominantesten Spieler der ECHL etabliert. In der laufenden Saison 2025/26 führt er die Liga mit beeindruckenden 49 Punkten (21 Tore, 28 Vorlagen) in nur 34 Spielen an. Seine herausragende Form wurde nicht nur mit der Ernennung zum ECHL-Spieler des Monats Dezember 2025 gewürdigt, sondern auch mit einer unvergesslichen Vorstellung beim ECHL All-Star Classic.

Seit seinem Wechsel zu den Toledo Walleye zur Saison 2021/22 ist Hawkins der unumstrittene Star des Teams. Als Assistenzkapitän führt er die Mannschaft an und bricht dabei Franchise-Rekorde. Mit 93 Punkten in der Saison 2023/24 stellte er bereits einen neuen Rekord für die meisten Punkte in einer Saison auf und ist auf dem besten Weg, diesen in der aktuellen Spielzeit zu übertreffen.

Die All-Star-Gala: Eine Show für die Geschichtsbücher

Das ECHL All-Star Game 2026 in Allen (Texas) wurde zur persönlichen Bühne für Brandon Hawkins. Mit einem Hattrick und zwei Vorlagen war er der überragende Akteur des Abends und zeigte, warum er als einer der unterhaltsamsten Spieler der Liga gilt. Doch es war nicht nur die Anzahl seiner Punkte, sondern die Art und Weise wie er sie erzielte, die Fans und Experten gleichermaßen begeisterte.

Den Auftakt machte eine spektakuläre Vorlage im ersten Drittel, als er den Puck von hinten durch seine eigenen Beine auf den Schläger von Hank Crone spielte, der zum 1:0 für Team Stars verwandelte. Sein zweites Tor im zweiten Drittel wurde in den sozialen Medien als „filthy“ (krass/unfassbar) und „nasty“ gefeiert. In einer Powerplay-Situation umkurvte er mit atemberaubender Puckkontrolle zuerst den Verteidiger, anschließend den Torwart und schob den Puck ins leere Tor – ein Spielzug der seine außergewöhnlichen technischen Fähigkeiten unterstrich! Den Hattrick komplettierte er mit einem frechen Versuch, ein „Michigan“-Goal im Lacrosse-Stil zu erzielen. Obwohl der Versuch nicht perfekt war, landete der Puck im Tor und krönte seine Fünf-Punkte-Gala.

Der logische nächste Schritt: Europa

Trotz seiner Dominanz in der ECHL scheint der Weg in die NHL für den 31-jährigen Hawkins verschlossen. Mit nur 28 Spielen in der höherklassigen American Hockey League (AHL) über seine gesamte Karriere verteilt, konnte er sich dort nie dauerhaft durchsetzen. Für viele Spieler in seiner Position ist der Wechsel nach Europa daher der logische und lukrative nächste Karriereschritt. Die europäischen Top-Ligen bieten nicht nur ein hohes sportliches Niveau, sondern auch deutlich attraktivere Gehälter als die ECHL.

Die Geschichte zeigt, dass ECHL-Topscorer in Europa sehr erfolgreich sein können. Spieler wie Josh Kestner (ECHL MVP 2020), oder Will Graber (ECHL MVP 2022) haben nach ihrem Wechsel den Sprung in europäische Top-Ligen wie die finnische Liiga oder die deutsche DEL geschafft und sich dort als Leistungsträger etabliert. Diese Erfolgsgeschichten dienen als Blaupause für Hawkins und zeigen, dass die ECHL ein hervorragendes Sprungbrett für eine erfolgreiche Karriere in Europa sein kann.

Wohin könnte die Reise gehen? Analyse der potenziellen Ligen

Für einen Spieler von Hawkins‘ Kaliber kommen mehrere europäische Ligen in Frage. Jede Liga hat ihre eigenen Vor- und Nachteile in Bezug auf Spielniveau, Gehälter und die Anzahl der erlaubten ausländischen Spieler.

Die Deutsche Eishockey Liga (DEL) und die finnische Liiga gelten als sehr wahrscheinliche Optionen. Sie zählen zu den Top-Ligen in Europa, bieten attraktive Gehälter für Importspieler und haben eine lange Tradition in der Integration nordamerikanischer Spieler.

Eine weitere interessante Möglichkeit ist die DEL2, die zweite deutsche Liga. Ihr Spielniveau ist mit der ECHL vergleichbar, was einen sanften Übergang ermöglichen würde. Zudem haben sich hier zahlreiche nordamerikanische Spieler wie zum Beispiel der All-Time-Topscorer Tyler McNeely als Stars etabliert. Die Anzahl der Ausländerlizenzen ist auf vier pro Spiel (6 insgesamt) begrenzt, was für einen ECHL Topscorer mit dieser Qualität kein Hinderniss sein sollte.

Die ICE Hockey League (ICEHL) in Österreich und die Elite Ice Hockey League (EIHL) in Großbritannien sind ebenfalls realistische Ziele. Die ICEHL bietet ein mit der ECHL vergleichbares Niveau und attraktive Gehälter, während die EIHL mit einem physischen, nordamerikanisch geprägten Stil und einer hohen Anzahl an Importspielern lockt.

Die Top-Ligen wie die Schweizer National League (NL), die Schwedische Hockey League (SHL) und die Kontinentale Hockey Liga (KHL) sind für einen direkten Wechsel aus der ECHL eher unwahrscheinlich. Diese Ligen repräsentieren die absolute Spitze des europäischen Eishockeys. Spieler in diesen Ligen haben in der Regel bereits in der AHL oder einer anderen europäischen Top-Liga überzeugt, bevor sie dort unter Vertrag genommen werden.

Fazit: Eine Chance mit Risiko – Hawkins muss sich in Europa erst beweisen

Brandon Hawkins steht an einem entscheidenden Punkt seiner Karriere. Seine Zeit in der ECHL hat er dominiert und alles erreicht, was es zu erreichen gibt. Seine Gala-Vorstellung beim All-Star Game war eine eindrucksvolle Bewerbung für höhere Aufgaben. Der Wechsel nach Europa ist der logische nächste Schritt, um sein Talent auf einer größeren Bühne zu zeigen und seine Karriere mit einem finanziell lukrativen Kapitel fortzusetzen.

Der Erfolg ist keineswegs garantiert! Der Sprung von der ECHL auf das größere europäische Eis und das höhere taktische Niveau ist eine Herausforderung, an der schon viele gescheitert sind. Bevor man ihn als „absoluten Gewinnertypen“ für eine europäische Top-Liga bezeichnen kann, muss sich Brandon Hawkins erst beweisen! Er muss zeigen, dass er seine beeindruckenden Scorerqualitäten auch gegen stärkere Gegner und in einem neuen Umfeld konstant abrufen kann.

Ob es ihn für einen sanften Einstieg in die DEL2, weniger sanften in die DEL, Liiga oder gar als ambitioniertes Projekt in eine europäische Top-Liga verschlägt – eines ist sicher: Das Team das sich die Dienste des torgefährlichen und spektakulären Amerikaners sichert, bekommt einen Spieler mit enormem Potenzial. Ob er dieses Potenzial auch in Europa voll ausschöpfen kann, wird eine der spannendsten Geschichten der kommenden Eishockey-Saison sein.