Wie Raymond und DeBrincat die glorreiche Ära von Datsyuk und Zetterberg bei den Detroit Red Wings wieder aufleben lassen
In den Hallen der Joe Louis Arena und heute in der Little Caesars Arena hallen die Namen der Legenden wider. Für Fans der Detroit Red Wings sind nur wenige Duos so ikonisch wie Pavel Datsyuk und Henrik Zetterberg, die Architekten des letzten Stanley-Cup-Sieges im Jahr 2008. Ihre Magie auf dem Eis, eine fast telepathische Verbindung und eine unübertroffene Zwei-Wege-Dominanz definierten eine Ära. Doch in der aktuellen Saison 2025-26 wird in „Hockeytown“ eine neue Seite aufgeschlagen und die Geschichte scheint sich auf bemerkenswerte Weise zu wiederholen. Mit Lucas Raymond und Alex DeBrincat haben die Red Wings zum ersten Mal seit der glorreichen Saison 2007-08 wieder zwei Spieler, die die 50-Punkte-Marke vor dem 50. Spiel der Saison geknackt haben – ein Meilenstein der nicht nur statistische Bedeutung hat, sondern auch die Hoffnung auf eine neue, glorreiche Zukunft entfacht.
Eine neue Ära der Dominanz: Raymond und DeBrincat entfachen das Feuer
Die aktuelle Saison der Detroit Red Wings ist geprägt von einer neu entdeckten Offensivkraft, die das Team an die Spitze der Atlantic Division katapultiert hat. Im Zentrum dieses Erfolgs stehen zwei junge, dynamische Stürmer. Lucas Raymond und Alex DeBrincat. Raymond der mit 52 Punkten (14 Tore, 38 Assists) die interne Scorerwertung anführt und DeBrincat der mit 25 Toren als eiskalter Scharfschütze agiert, haben eine Leistung vollbracht die zuletzt die legendären „Euro-Twins“ Datsyuk und Zetterberg vollbrachten. Beide Spieler erreichten die 50-Punkte-Marke vor dem 50. Spiel der Saison, ein Kunststück das seit 18 Jahren nicht mehr von zwei Red Wings-Spielern gleichzeitig geschafft wurde.
Die Bedeutung dieses Meilensteins kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. In einer Liga in der Konstanz und offensive Exzellenz die Grundlage für Erfolg bilden, signalisiert die Leistung von Raymond und DeBrincat, dass die Red Wings wieder zu einem ernstzunehmenden Playoff-Anwärter gereift sind. Mit einer Bilanz von 29 Siegen, 16 Niederlagen und 4 Overtime-Niederlagen (62 Punkte) sind die Red Wings in der Atlantic Division ganz oben dabei und haben eine Playoff-Wahrscheinlichkeit von über 70 Prozent.
Lucas Raymond: Der Eckpfeiler der Zukunft
Seit seiner Auswahl als vierter Gesamt-Pick im NHL Draft 2020 hat sich Lucas Raymond zu einem unverzichtbaren Teil des Red Wings-Kaders entwickelt. Der junge Schwede, geboren am 28. März 2002 in Göteborg, hat die Erwartungen weit übertroffen und sich als einer der talentiertesten jungen Stürmer der Liga etabliert. Raymond ist bekannt für sein außergewöhnliches Hockey-Gespür, seine schnellen Hände und seine hohe Geschwindigkeit. Scouts beschreiben ihn als „Dangler“ und „Offensive Forward“ mit einem hohen offensiven IQ.
Seine Rookie-Saison 2021-22 war ein Auftakt nach Maß. Mit 57 Punkten (23 Tore, 34 Assists) in 82 Spielen wurde er ins NHL All-Rookie Team berufen. Ein besonderer Höhepunkt war sein Hattrick gegen die Chicago Blackhawks am 24. Oktober 2021, bei dem er insgesamt vier Punkte verbuchte und damit zum ersten Red Wings-Rookie seit 1986 wurde, dem dieses Kunststück gelang.
In der Saison 2023-24 festigte Raymond seine Rolle als Schlüsselspieler, indem er mit 72 Punkten (31 Tore, 41 Assists) in 82 Spielen die teaminterne Scorerwertung anführte. Diese Leistung führte am 17. September 2024 zur Unterzeichnung eines massiven Achtjahresvertrags über 64,6 Millionen US-Dollar. Dieser Vertrag ist ein klares Bekenntnis der Organisation und ein Beweis dafür, dass Raymond als der zukünftige Anführer dieser Mannschaft gesehen wird.
Alex DeBrincat: Die Heimkehr des Scharfschützen
Für Alex DeBrincat war der Trade zu den Detroit Red Wings im Sommer 2023 mehr als nur ein Wechsel – es war eine Heimkehr. Der in Farmington Hills (Michigan) geborene Stürmer hat sich trotz seiner geringeren Körpergröße von 173 Zentimetern einen Ruf als einer der gefährlichsten Torschützen der Liga erarbeitet. DeBrincat ist ein „reiner Scharfschütze“, der es versteht sich in die gefährlichen Zonen zu schleichen und den Puck mit tödlicher Präzision im Netz zu versenken.
Bevor er zu den Red Wings kam hatte DeBrincat bereits zwei Saisons mit über 40 Toren bei den Chicago Blackhawks absolviert (41 Tore in den Saisons 2018-19 und 2021-22). In jeder seiner ersten sechs NHL-Spielzeiten erzielte er mindestens 50 Punkte, was seine Konstanz unterstreicht. Der Trade von den Ottawa Senators zu den Red Wings wurde mit einem Vierjahresvertrag über 31,5 Millionen US-Dollar besiegelt.
In seiner ersten Saison bei den Red Wings 2023-24 knüpfte DeBrincat nahtlos an seine Offensivproduktion an und beendete die Spielzeit mit 67 Punkten (27 Tore, 40 Assists). Seine Fähigkeit sowohl Tore zu schießen, als auch als Playmaker aufzutreten machte ihn sofort zu einem zentralen Bestandteil der Top-Sechs-Angriffsreihen in Detroit.
Ein Blick zurück: Die legendäre Ära der „Euro-Twins“
Um die Bedeutung des aktuellen Meilensteins zu verstehen, muss man in die goldene Ära der Red Wings zurückblicken. Die Saison 2007-08 war der Höhepunkt des Sturmduos zwischen Pavel Datsyuk und Henrik Zetterberg. Das Team dominierte die reguläre Saison mit 115 Punkten und dem besten Ergebnis der gesamten NHL. Am Ende der Saison krönte sich das Team mit dem Gewinn des Stanley Cups, dem elften in der Franchise-Geschichte.
Datsyuk führte das Team in der regulären Saison mit 97 Punkten (31 Tore, 66 Assists) in 82 Spielen an, während Zetterberg mit 43 Toren der beste Torschütze war und die Saison mit 92 Punkten (43 Tore, 49 Assists) in 75 Spielen abschloss. In den Playoffs setzten die Red Wings ihre Dominanz fort und besiegten die Nashville Predators, die Colorado Avalanche und die Dallas Stars, bevor sie im Stanley Cup Finale auf die Pittsburgh Penguins trafen.
Die Finalserie wurde zu einer Bühne für Henrik Zetterberg, der die gesamten Playoffs mit 27 Punkten (13 Tore, 14 Assists) in 22 Spielen anführte. Auch Datsyuk trug mit 23 Punkten (10 Tore, 13 Assists) maßgeblich zum Erfolg bei. Zetterbergs überragende Leistung brachte ihm die Conn Smythe Trophy als wertvollster Spieler der Playoffs ein – er war der erste Schwede, der diese prestigeträchtige Auszeichnung erhielt.
Pavel Datsyuk: Der „Magic Man“
Pavel Datsyuk war mehr als nur ein Spieler, er war ein Künstler auf dem Eis! Seine Fähigkeit den Puck zu kontrollieren schien den Gesetzen der Physik zu trotzen. Datsyuk war bekannt für seine unvergleichliche Puckkontrolle, die es ihm ermöglichte Verteidiger zu „ärgern“ und den Puck in scheinbar unmöglichen Situationen zu behaupten. Doch was ihn wirklich auszeichnete, war sein unermüdlicher Einsatz in der Defensive, der ihm drei Selke Trophies als bester defensiver Stürmer der Liga einbrachte.
Datsyuk war der Inbegriff des Zwei-Wege-Stürmers, der das Spiel in jeder Zone dominieren konnte. Trotz seiner offensiven Brillanz jagte er niemals Punkte, sondern stellte stets das Wohl des Teams in den Vordergrund. Seine Spielweise wurde oft als „magisch“ beschrieben, und er erhielt den Spitznamen „Magic Man“ für seine Fähigkeit, Spielzüge zu kreieren die andere nicht für möglich hielten.
Henrik Zetterberg: Der Anführer und MVP
An Datsyuks Seite entwickelte sich Henrik Zetterberg zu einem der besten Anführer seiner Generation. Er kombinierte Finesse mit einer unerschütterlichen Arbeitsmoral und einer physischen Präsenz, die besonders in den Playoffs zum Tragen kam. Zetterberg selbst betonte, dass Datsyuk maßgeblich zu seiner Karriere beigetragen habe. In einem Interview sagte er: „Oh, mein Gott, sieh dir diesen Pass von ‚Pav‘ an. Als man mittendrin war, dachte man nicht so viel darüber nach, aber wenn man wirklich darüber nachdenkt hat er meine Karriere gemacht.“
Zetterberg brachte eine unerschütterliche Führungsqualität mit, die in den Playoffs 2008 mit der Conn Smythe Trophy gekrönt wurde. In seiner Karriere erzielte Zetterberg 960 Punkte für die Red Wings, womit er auf Platz 5 der Franchise-Bestenliste liegt. Gemeinsam mit Datsyuk bildete er eine unschlagbare Kombination. Die beiden wurden oft als die „Euro-Twins“ bezeichnet, obwohl Datsyuk aus Russland und Zetterberg aus Schweden stammte. Ihre Zeit als Teamkollegen die über 13 Saisons hinweg Bestand hatte, basierte auf einer tiefen, fast telepathischen Verständigung auf dem Eis.
Echos der Vergangenheit, Hoffnung für die Zukunft
Der Vergleich zwischen den beiden Duos ist verlockend. Während Datsyuk und Zetterberg für ihre erstickende Zwei-Wege-Dominanz und ihre fast unheimliche Chemie bekannt waren, bringen Raymond und DeBrincat eine explosive, dynamische Offensivkraft mit, die perfekt in die moderne NHL passt. Die 50-Punkte-Marke ist in der NHL seit jeher ein Indikator für einen Elitespieler. Ein Spieler der 50 Punkte in einer Saison erreicht, hat nachweislich einen signifikanten Beitrag zur Offensivleistung seines Teams geleistet.
Die historische Bedeutung dieses Meilensteins liegt in seiner Funktion als Gradmesser für Konstanz und Vielseitigkeit. Spieler die diese Marke regelmäßig erreichen, demonstrieren eine Fähigkeit über die gesamte Saison hinweg konstant zu produzieren, was in der anspruchsvollen NHL ein Zeichen von Elite-Status ist.
Dass die Red Wings nun wieder zwei solcher Spieler in ihren Reihen haben, die diesen Meilenstein so früh in der Saison erreichen ist ein starkes Signal. Es ist ein Zeichen dafür, dass der langwierige Rebuild in Detroit Früchte trägt und das Team bereit ist ein neues Kapitel aufzuschlagen. Die Teamleistung wird durch eine starke Mischung aus etablierten Stars wie Dylan Larkin und Patrick Kane sowie aufstrebenden Talenten wie Raymond und dem deutschen Verteidiger Moritz Seider getragen.
Die Verpflichtung von Torhüter John Gibson hat sich ebenfalls ausgezahlt, da er mit einer Bilanz von 18-9-1 die notwendige Stabilität im Tor liefert. Die Red Wings haben sich als ernstzunehmender Anwärter in der Eastern Conference etabliert und sind auf dem besten Weg ihre Playoff-Durststrecke zu beenden.
Ob Raymond und DeBrincat die Red Wings zu den gleichen Höhen führen können wie einst Datsyuk und Zetterberg, wird die Zeit zeigen. Doch eines ist sicher: Die Fackel wurde weitergereicht! Die Zukunft in Hockeytown sieht so rosig aus wie seit Langem nicht mehr. Die Fans in Detroit dürfen wieder träumen und die Namen Raymond und DeBrincat werden in den Hallen der Little Caesars Arena widerhallen – genau wie einst die Namen Datsyuk und Zetterberg.
