Eine Achterbahnfahrt der Gefühle

Eishockey in Hamburg ist eine Geschichte voller Leidenschaft, großer Triumphe und herber Enttäuschungen. Von der Deutschen Eishockey Liga (DEL) bis in die Niederungen der Regionalliga hat die Hansestadt alles erlebt. Begleiten Sie uns auf eine Reise durch die bewegte Vergangenheit und Gegenwart des Hamburger Eishockeys, von den München Barons über die Hamburg Freezers bis zu den heutigen Hamburg Crocodiles.

Die Wurzeln in München: Die München Barons (1999-2002)

Die Geschichte des professionellen Eishockeys in Hamburg beginnt überraschenderweise in der bayerischen Landeshauptstadt München. 1999 erwarb die Anschutz Entertainment Group (AEG) die DEL-Lizenz des EV Landshut und gründete die München Barons. Mit einem starken Kader und soliden finanziellen Mitteln gelang den Barons bereits in ihrer ersten Saison 1999/2000 der große Wurf. Sie wurden Deutscher Meister! Trotz des sportlichen Erfolgs blieben die Zuschauerzahlen in München jedoch hinter den Erwartungen zurück. Mit einem Schnitt von nur rund 2.800 Zuschauern in der regulären Saison und 4.900 in den Playoffs war der Betrieb auf Dauer nicht rentabel. Die hohen Spielerkosten und fehlende Sponsoren führten zu finanziellen Schwierigkeiten. Am 3. Juni 2002 gab die AEG bekannt, dass die Mannschaft aus wirtschaftlichen Gründen nach Hamburg umziehen würde.

Die Ära der Hamburg Freezers (2002-2016): Vom Aufstieg zur Auflösung

Mit dem Umzug nach Hamburg begann eine neue Ära des professionellen Eishockeys in der Hansestadt. Die Hamburg Freezers, wie das Team nun hieß wurden schnell zu einem festen Bestandteil der Hamburger Sportlandschaft. In der neu erbauten Barclaycard Arena fanden die Freezers eine moderne Heimat mit einer Kapazität von 12.947 Plätzen und begeisterten die Fans mit schnellem und attraktivem Eishockey.

Die Zuschauerzahlen stiegen kontinuierlich an. In der Saison 2003/04 erreichten die Freezers bereits einen Durchschnitt von 12.055 Zuschauern pro Heimspiel, was zeigt wie schnell sich der Verein in Hamburg etablierte. In der Saison 2011/12 erreichten die Freezers ihren Höhepunkt mit einem beeindruckenden Schnitt von über 9.221 Zuschauern pro Spiel. In ihrer letzten Saison 2015/16 hatten die Freezers die vierthöchste Zuschauerzahl in Deutschland und die zehnthöchste in Europa – ein Beweis für die Treue der Hamburger Fans.

Sportlich gehörten die Freezers zu den etablierten Teams der DEL und erreichten regelmäßig die Playoffs. Die größten Erfolge waren das Erreichen des Play-off-Halbfinales in den Jahren 2004 und 2014. Der große Traum vom Meistertitel blieb ihnen jedoch verwehrt. Während der NHL-Lockouts verstärkten sogar internationale Stars wie der kanadische Goalie Jean-Sébastien Giguère (2004/05) und der kanadische Stürmer Jamie Benn von den Dallas Stars (2012/13) das Team.

Die Legenden der Hamburg Freezers

Die Hamburg Freezers hatten während ihrer 14-jährigen Geschichte im professionellen Eishockey viele herausragende Spieler. Paul Manning ist der absolute Rekordspieler mit 356 Spielen für die Freezers und prägte die Identität des Vereins über viele Jahre hinweg. Bei den Scorern dominierte François Fortier mit 278 Punkten (133 Tore + 145 Assists) und ist damit der erfolgreichste Scorer in der Geschichte des Vereins. Weitere Top-Scorer waren Jerome Flaake mit 220 Punkten (97 Tore + 123 Assists) und Alexander Barta mit 208 Punkten (77 Tore + 131 Assists).

Die Torhüter der Hamburg Freezers

Die Hamburg Freezers hatten während ihrer Geschichte mehrere herausragende Torhüter. Der kanadische Stammtorhüter Boris Rousson von 2002 bis 2007, war mit 217 Spielen der erfolgreichste Keeper der Freezers-Geschichte. Mit etwa sieben Shutouts und einer Fangquote von 92,0 Prozent in der Saison 2003/04 wurde Rousson zum „überragenden Freezers-Keeper“ und blieb dem Verein später als Torwarttrainer treu.

Jean-Marc Pelletier, der US-amerikanische Goalie, übernahm ab 2007 die Nummer-1-Rolle und spielte bis 2010 insgesamt 122 Spiele. Sein bestes Jahr war die Saison 2008/09, in der er mit 52 Einsätzen eine beeindruckende Fangquote von 0,923 erreichte und mehrfach ins DEL-All-Star-Team gewählt wurde. Pelletier war auch ein beliebter Mitspieler und fungierte als Führungsspieler („Anführer in der Kabine“).

Christian Künast war der erste Stammtorhüter der Freezers (2002-2004) und spielte 104 Spiele. Obwohl seine Fangquote aufgrund häufiger Gegentore in mittelmäßigen Teams um die 90 Prozent lag, war seine Bedeutung vor allem personell groß – er brachte Erfahrung und Ruhe ins Tor.

In den Schlussjahren der Freezers bildeten Dimitrij Kotschnew und Sébastien Caron ein starkes Torwärterduo. Kotschnew, der kasachisch-deutsche Keeper, war von 2012 bis 2016 Stammtorhüter und Kapitän. Er erzielte die besten Werte aller Freezers-Goalies! In der Saison 2013/14 führte er die DEL mit einer Fangquote von 0,928 an. Als Olympia-Teilnehmer von 2010 (DEB-Torwart) strahlte er Führungsstärke aus und war bei Fans und Teamkollegen gleichermaßen beliebt. Caron hingegen ein erfahrener Ex-NHL-Profi von den Pittsburgh Penguins und Stanley-Cup-Sieger 2003, kam 2013 zu den Freezers und spielte bis 2016 insgesamt 69 Spiele. Mit einer Fangquote von etwa 0,920 in der Saison 2014/15 bewies Caron komplett Nervenstärke, vorallem in den Playoffs.

Niklas Treutle war als junger deutscher Torhüter von 2010 bis 2014 (51 Spiele) ein aufstrebender Keeper. In der Saison 2012/13 stand er 21-mal im Tor und lieferte mit einer Fangquote von 0,917 starke Leistungen. Treutle spielte eine wichtige Rolle in der erfolgreichen Playoff-Runde 2013 und zeichnete sich durch Schnelligkeit und gute Reflexe aus.

Eine besondere Rolle spielte auch Goalie Roman Čechmanek, der in der Saison 2005-06 bei den Freezers spielte. Der tschechische Torwart hatte über 200 Spiele in der NHL absolviert und brachte damit internationale Klasse in das Tor der Hamburger.

Die Trainer der Hamburg Freezers

Die Hamburg Freezers hatten während ihrer 14-jährigen Geschichte im professionellen Eishockey mehrere Trainer mit unterschiedlichen Hintergründen und Erfolgen. Der erste Trainer nach dem Umzug von München war der Kanadier Sean Simpson (2002-2003), der bereits seit 1999 bei den München Barons tätig war und somit die Kontinuität vom Meister-Team nach Hamburg brachte.

Es folgten weitere kanadische Trainer wie Dave King (2003-2005), Bill Stewart (2006-2008) und Paul Gardner (2008-2010), die das Team durch verschiedene Phasen führten. Mike Schmidt (2005-2006) war einer der wenigen deutschen Trainer in dieser Zeit. Bob Leslie (2008) und Stéphane Richer (2010) hatten kürzere Amtszeiten.

Der größte Erfolg der Freezers war 2014 das Erreichen des Play-off-Halbfinales unter Trainer Benoît Laporte (2010-2014). Der Kanadier Laporte prägte die Freezers über vier Saisons und führte die Mannschaft zu einem der besten Ergebnisse ihrer Geschichte. Nach einem schlechten Saisonstart im Herbst 2014 wurde Laporte jedoch entlassen.

Sergei Aubin übernahm dann die Mannschaft für die Saison 2014-2016 und war der letzte Trainer der Hamburg Freezers. Nach dem Ende der Freezers wechselte der Kanadier zu den Eisbären Berlin, wo er bis heute als Trainer tätig ist und damit eine erfolgreiche Karriere in der DEL fortsetzt.

Im Mai 2016 kam dann der Schock für alle Fans: Die Anschutz Entertainment Group gab bekannt, das Sponsoring für die Freezers einzustellen. Da sich innerhalb der gesetzten Frist kein neuer Investor fand, wurde der Spielbetrieb eingestellt und die Hamburg Freezers waren Geschichte. Die Gründe lagen in der schwierigen Finanzlage der Anschutz Entertainment Group, die auch die Eisbären Berlin besaß und nicht länger zwei Teams in der gleichen Liga finanzieren konnte.

Die Hamburg Crocodiles: Von der Oberliga in die Regionalliga

Nach dem Aus der Freezers wurden die Hamburg Crocodiles zum neuen Aushängeschild des Hamburger Eishockeys. Der 1990 gegründete Verein aus dem Stadtteil Farmsen hatte bereits eine bewegte Geschichte hinter sich. In den 1990er Jahren gelang unter der Führung von Mäzen Klaus-Peter Jebens der Aufstieg bis in die 2. Bundesliga. Nach einer Insolvenz und dem Neustart in der Verbandsliga kämpften sich die Crocodiles zurück und etablierten sich in der Oberliga Nord, der dritthöchsten deutschen Spielklasse.

Nach dem Ende der Freezers erlebten die Crocodiles einen wahren Zuschauerboom und wurden zum neuen Anlaufpunkt für die Hamburger Eishockeyfans. Die Saison 2016/17 war eine besonders erfolgreiche Phase für den Verein. Mit hochklassigen Spielern wie dem kanadischen Stürmer Brad McGowan, der mit 71 Toren und 52 Assists in 43 Spielen eine hervorragende Quote von 123 Punkten erzielte, und Center Josh Mitchell, der mit 86 Assists in 43 Spielen 100 Punkte sammelte, verfügte die Mannschaft über eine starke Offensive. Auch der deutsche Defenseman Christoph Schubert der von den Hamburg Freezers kam, trug mit 12 Toren und 65 Assists in 41 Spielen (77 Punkte) erheblich zum Erfolg bei. Der Ex-NHL-Spieler bewies, dass auch in der Oberliga gutes Eishockey gespielt wurde. Diese Spielerqualität machte die Crocodiles zu einem ernstzunehmenden Gegner in der Oberliga Nord.

Doch auch die Crocodiles blieben von Rückschlägen nicht verschont. Nach finanziellen Schwierigkeiten und dem Rückzug aus der Oberliga spielen die Hamburg Crocodiles nun in der Regionalliga Nord, der vierten Liga des deutschen Eishockeys. Trotz des sportlichen Abstiegs halten die treuen Fans zu ihrem Verein und hoffen auf eine baldige Rückkehr in höhere Ligen.

Fazit: Die Leidenschaft für Eishockey in Hamburg lebt weiter

Die Geschichte des Eishockeys in Hamburg ist eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Von der Meisterschaft der München Barons über die erfolgreichen Jahre der Hamburg Freezers mit ihren Legenden wie Paul Manning oder François Fortier bis hin zum unermüdlichen Kampf der Hamburg Crocodiles in der Oberliga und nun in der Regionalliga – die Leidenschaft für den schnellsten Mannschaftssport der Welt ist in der Hansestadt ungebrochen. Auch wenn die großen Zeiten der DEL vorerst vorbei sind, lebt der Traum vom professionellen Eishockey in Hamburg weiter. Die treuen Fans der Crocodiles sind der beste Beweis dafür.